Lothringen und seine Leckerbissen
Diese lothringische „Distel“ ist weniger stachelig als man denkt.
Denn wer die „Chardons“, eine Leckerei aus Nancy, einmal probiert hat, wird sie ebenso süß wie stärkend finden. Lothringen besticht eben auch durch seine süßen Spezialitäten.
Dazu gehören die Bergamotte-Bonbons aus Nancy mit ihrem unnachahm-lichen Geschmack ebenso wie die Makronen, Madeleines und Dragees, die auch bei großen Persönlichkeiten sehr beliebt waren: die ersteren bei De Gaulle, die zweiten bei Marcel Proust, und die zuletzt genannten bei König Heinrich III.
Â
Die Natur liefert den Rohstoff für diese vergänglichen Naschereien. Ein Beispiel dafür ist die Königin der Früchte, die Mirabelle, für die die Region Lothringen sich einen stolzen Platz als wichtigstes Anbaugebiet gesichert hat. Während sie als Konfitüre das Frühstück bereichert, läuft sie bei den Dessert-gerichten erst richtig zu Hochform auf, um Obsttorten, Aufläufen und Gratins ihr herrliches Aroma zu schenken. Aber auch mit Zwetschgen oder kleinen Früchten wie Heidelbeeren, Brombeeren oder Himbeeren lassen sich leckere Gerichte zaubern. Man denke nur an die Erdbeeren aus Woippy, oder das Eis à la Plombières, in dem sich Kirschwasser und kandierte Früchte in genießerischer Harmonie vereinen.
In dieser Aufzählung von Köstlichkeiten darf natürlich der „lothringische Kaviar“ nicht fehlen: die berühmte Johannisbeer-Konfitüre aus Bar-le-Duc, bei deren Herstellung die Beeren mit Gänsefedern entkernt werden. Diese süße Tradition geht auf das Jahr 1344 zurück.
Die Höflinge von Versailles und in jüngerer Zeit Victor Hugo und Alfred Hitchcock waren von ihr ganz hingerissen, und auch heute hat sie nichts von ihren Reizen verloren.
Â
In dieser verführerischen Auswahl haben auch die Vogesen-Bonbons aus Kiefernöl ihren festen Platz, ebenso wie die Chardons lorrains (mit Likör gefüllte Schokoladenpralinen), die Craquelines (Kringel) und Visitandines (Mandelkuchen) aus Nancy, und die Croquets und Rochers aus Saint-Mihiel. Oder der Tannenhonig, der jetzt sogar ein AOC-Gütesiegel (kontrollierte Herkunftsbezeichnung) trägt und dem Genießer neue Horizonte eröffnet.
Doch es gibt noch mehr solcher Genüsse: Man braucht sich nur einmal die Kreationen der Konditoreien und Schokoladenfabriken anzuschauen, die sich in Lothringen so mancherorts mit Einfallsreichtum und gutem Geschmack gegenseitig übertreffen. Ein Beispiel dafür ist die traditionelle, geschützte Saint-Epvre aus Nancy.
Oder auch die Mirabellen in Marzipan mit Schnapsfüllung, oder die Lebkuchen in Form von Nikoläusen, die in der Adventszeit die Kinderherzen erfreuen. Zeichen einer nie versiegenden Kreativität...